Vortrag v. 06. September 2019, Lübeln.

Heimat – was ist das? – Querblick einer 68erin

14.8.2012

Was ist aus dem 68ern geworden.
Eigentlich sei zum Thema 1968 schon alles gesagt, schreibt Gunnar Hinck in seinem Buch „Wir waren wie Maschinen“. Diesen Satz streichen, denke ich beim Lesen, denn schließlich hat Hinck mehr als 400 Seiten zu Papier gebracht. Eine vertane Lesezeit? Der Anfang scheint das nahezulegen. Alles sei lange vor den 68ern gedacht und vorbereitet worden. Etwas oberlehrerhaft breitet Hinck zunächst über viele Seiten aus, was nun mal die Gnade aller Spätergeborenen ist: Dass sie mit Wissen umgehen können, dessen Gewichtung den Zeitzeugen nicht klar war.

Rezension des Buchs von Gunnar Hinck: Wir waren wie Maschinen weiter in Vorwärts: www.vorwaerts.de

Der Text ist gekürzt erschinen in: Netzwerk Frauenforschung NRW, Journal NR. 26 / 2010

„Himmelhochjauchzend… – ein Leben voller Aufbrüche.“
Nachruf auf Doris Janshen1 von Sibylle Plogstedt
Doris Janshen ist am 17.2.2009 gestorben. Sie hat den WissenschaftlerInnen der Universität Duisburg Essen das Kolleg für Geschlechterforschung hinterlassen. In der Wissenschaft gebe es zwischen Männer- und Frauenforschung so gut wie keinen Dialog, schreib Janshen: „Wir meinen, dass es an der Zeit ist, dass Frauen und Männer sich Begegnungsorte suchen, um qualifiziert den Diskurs über das Geschlechterverhältnis aufzunehmen.“ Und sie fuhr fort: „Geschlechterforschung ist ein Zukunftsprojekt, sie wird unter anderem durch einen nicht auf Komplementarität angelegten Dialog vorangetrieben. Es besteht ein Bedarf an einer neuen politischen und intellektuellen Streitkultur zwischen Frauen und Männern, die zukünftige Annäherungen und Versöhnungen ermöglicht.“ Wenn der Gedanke erhalten bliebe, dass die Summe der Frauenforschung und der Männerforschung noch längst keine Geschlechterforschung ist, hätte Doris Janshen eine Bresche in die Forschungslandschaft geschlagen und viele Gendermainstreaming-Ansätze könnten mit Leben erfüllt werden.
www.grundrechtekomitee.de/sites/default/files/Nachruf%20Doris%20Janshen.pdf

[1] gehalten auf dem Symposium „Tempus fugit, gender bleibt!“ am 22.10.2009 an der Universität Duisburg-Essen

Nachruf auf Doris Janshen:

Im Feburar 2009 starb plötzlich und unerwartet Prof. Dr. Doris Janshen, Gründerin und langjährige Direktorin des Essener Kollegs für Geschlechterforschung.

Um Prof. Dr. Doris Janshen und ihr Lebenswerk zu würdigen, fand am 22. Oktober 2009 ab 10.00 Uhr im Glaspavillon der Universität Duisburg-Essen (Campus Essen) das interdisziplinäre Symposium „Tempus fugit – Gender bleibt. Denken an Doris Janshen“ statt, in dessen Verlauf die Forschungsgebiete und die Lebensleistung Doris Janshens reflektiert und in ihrer Aktualität vergegenwärtigt wurden. Der Bericht über die Gendenktagung:

http://www.uni-due.de/ekfg/tempusfugit.shtml

Der Nachruf von Sibylle Plogstedt findet sich unter: http://www.grundrechtekomitee.de/node/328

Die Zeit: 4. Juni 2009, S.44

Pararadoxe Ost-West-Welt.
Verleumdungen gehörten im geteilten Deutschland zur psychologischen Kriegführung. Mit dramatischen Folgen für den Einzelnen. – Von Sibylle Plogstedt

Taz 16.5.09

Hallo ich bin die Petra und ich möcht gern Germanys’ next Top Model werden.“ Petra hat noch keine Erfahrung als Model, als sie den catwalk betritt. Schön sein, erfolgreich, cool. Millionen schauen zu, wenn sie sich den Traum erfüllt, den Heidi Klum ihr nahe legt: Einmal in Rosen zu baden. Nackt natürlich. Wow, was für eine Erfüllung, was für ein intimate contact, wenn Heidi Klum ihr die Rosenblätter an die Brust heftet. Ein lesbisches Eroticum. Aber dann kommt es zur Ausscheidung. Und mit ihr wandelt sich der Topserienstar Heidi Klum zur Domina. I never promised you a rose garden! Strenge. Kälte. Langer Blick. Eine fällt raus. Wer? Eine mit blauen Augen. Die Blauäugigen zittern. Die Blonde mit dem verheulten Blick fällt raus. Natürlich. Schwäche unterliegt, Angst auch. Weinen. Und dann Umarmen. Ja, wenigstens noch in die Arme genommen werden von Heidi Klum. Die sagt: Du bist weit gekommen. Aber du brauchst halt noch zwei Jahre. Wozu? Noch zwei Jahre, bis sie zum Allerweltsmodell abgerichtet ist. Angepaßt an den männlichen Blick. So will ich Frauen nicht. www.taz.de

Die alte Frauenzeitung „Courage“ ist wieder da

Gut ein Jahr nach der Jubiläumsveranstaltung zur Gründung der Courage im Jahr 1976 ist nun die Dokumentation der Veranstaltung erschienen. Titel: „Als die Frauenbewegung noch ‚Courage’ hatte’“, herausgegeben von Gisela Notz. Wer die Broschüre bestellen will, kann dies tun unter Doris.Fassbender@fes.de. Die Friedrich-Ebert-Stiftung versendet das Heft kostenlos.

Fast zeitgleich gibt es die Courage auch wieder zu lesen. Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat die Courage mit viel Aufwand ins Internet gestellt und sie mit einer Suchfunktion ausgestattet. Gerade in diesem Jahr, in dem so viel über die 68er und den Beginn der Frauenbewegung diskutiert wird, wird damit für unsere Kolleginnen wie für Wissenschaftlerinnen ein wichtige Quelle online erschlossen. Ihr findet die Courage unter: www.library.fes.de/courage/

Vorwärts Juli/August 2006 – www.vorwaerts.de

Arme. liebe Courage – Artikel von Sibylle Plogstedt
Sie waren links, feministisch und hatten kein Geld. Vor 30 Jahren gründeten Frauen eine Zeitschrift. Eine Geschichte über die Euphorie des Anfangs und das traurige Ende.

Geduld und Ironie – Erinnerungen an den Revolutionär Johannes Agnoli
Von Sibylle Plogstedt

Im Mai 2003 ist er in seinem Haus bei Lucca (Toskana) gestorben. Unmittelbar nach seinem Tod wurde ein letztes, mehrtägiges Filminterview an den Universitäten in Berlin und Köln gezeigt. Agnolis Denken war kristallklar, er hatte die Philosophie von der Antike bis heute präsent. Nach seinem Tod erfuhr ich von seiner Frau Barbara Görres Agnoli, dass Johannes schon lange nicht mehr richtig hatte gehen können. Er brauchte Hilfe, konnte sich immer weniger selbständig bewegen. Damals lebte er in Italien, sie in Berlin. Eine Ehe auf Distanz mit Begegnungen, weil sie nicht in Italien leben wollte. Tochter Babette und Sohn Niccolo Pierin lebten in seiner Nähe.
Barbara Agnoli brachte seine Notizen – wie im Testament gefordert -nach Amsterdam, seine Bücher kamen in die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin. Sie begann auch über Johannes zu schreiben. Zu einer Biografie fehlte ihr der Abstand. Sie nennt ihr Buch auch eine biografische Skizze.“ Obwohl sie über eine scharfe Zunge verfügt, ist das Buch dennoch keine Abrechnung mit der Linken geworden.
Der kritischste Denker der Studentenrevolte
Als Studentin war ich fast täglich im Hause Agnoli zu Gast, passte auch mal auf die antiautoritär erzogene Babette auf, die vom Vater unablässig zum Gebrüll angestiftet wurde. In Erinnerung geblieben sind die gemeinsamen Abendessen in Agnolis Küche, wo sich Peter Brückner einfand, als beide an der Transformation der Demokratie arbeiteten, jenem 1967 erschienenen Buch, das zum theoretischen Klassiker der außerparlamentarischen Opposition werden sollte. Vielleicht war Agnoli auch der kreativste Denker der Studentenrevolte.
Bilder des Valle di Cadore, wo ich 1971 eine unvergessliche Bergsteigertour in den Dolomiten mit ihm und anderen unternahm. Ich war gerade aus dem Gefängnis in Prag entlassen, er hatte die linken Intellektuellen Europas für unsere Freilassung mobilisiert. Barbara Agnoli war sogar mit meiner Mutter in Prag gewesen, um mich dort rauszuholen. Und als ich endlich wieder im Westen war, zeigte er mir einen Weg zum Überleben: Schritt für Schritt hoch am Hang, Tritt für Tritt beim Klettern in einem Kamin. Nur wenn ich mich auf jeden Schritt konzentrierte, würde ich nicht abstürzen, erklärte er mir.
Barbara Görres Agnoli erinnert in ihrem Buch daran, dass er zur Linken einen weiten Weg hatte. Sein Vater war im Börsenkrach 1929 verarmt und musste seine Häuser im Valle di Cadore verkaufen. Für ein Kindermädchen und das Wohnen in einer alten Villa reichte es dennoch.
Als Jugendlicher landete AgnoIi in der faschistischen Jugend Italiens. „Ich war Provinzialführer der Oberschuljugend innerhalb des faschistischen Jugendverbands und schon damals wegen meiner Orientierung an Deutschland bekannt,“ erzählte er Matthias Boetsch in einem Interview. „Ich hatte Kant, Fichte, Hegel, Goethe, Hölderlin gelesen – alles auf Italienisch wohlgemerkt. Das war für mich Deutschland.“
Was er über Freiheit gelesen hatte, identifizierte er mit dem Faschismus und beging damit, was er seinen “verhängnisvollen Fehler“ nannte: Agnoli meldete sich freiwillig zur Deutschen Wehrmacht (konkret bei der Waffen SS, die für ausländische Freiwillige zuständig war), kam bei Kriegsende in britische Gefangenschaft und wurde als Verwundeter in ein Lazarett in Italien und dann als Prisoners of War nach Ägypten gebracht. Erst nach dem Krieg, als er nach Deutschland kam, begriff Agnoli, dass der von ihm bewunderte Karl Jaspers ein Gegner der Nazis war. Agnoli über sich selbst: „So dumm war ich damals.“ Agnolis Jugendsünden blieben sein Forschungsthema: Der Faschismus, speziell der italienische Faschismus.
In Deutschland gehörte Agnoli zu den Gründern des ‚Republikanischen Clubs’. In der Gewaltdebatte nach den Steinwürfen der sog. Schlacht am Tegeler Weg (bei der es paradoxerweise um Horst Mahler (!)ging), sprach sich Ossip Flechtheim für Gewaltfreiheit aus, Helmut Gollwitzer traf die Unterscheidung von ‚Gewalt gegen Sachen’ und ‚Gewalt gegen Menschen’, während sich Agnoli an der französischen Revolution, die sich bekanntlich nicht gewaltfrei gestaltete.

Anhänger der Bürgerrechtsbewegung
Nach den Vietnam-Demonstrationen 1967 geriet Agnoli, Beschäftigter des Öffentlichen Dienstes, in den Verdacht des „Drahtziehers“. Zu seiner Verteidigung erklärte er, er habe in einem Lexikon die Bedeutung des Wortes nachgeschlagen und gefunden, Drahtzieher sei ein ehrenwerter Beruf aus der Kupferbranche. Gern zitierte er sich selbst, vor allem sein Lebensmotto: „Geduld und Ironie sind die Tugenden eines Revolutionärs.“ So lautet auch der Titel der Festschrift anlässlich seines 70. Geburtstags.
Es gab auch Provokationen gegen den linken Professor, solche aus den Zeiten des deutschen Herbstes 1977. So habe laut Barbara Görres Agnoli der BND versucht, eine Nachbarin zur Bespitzelung von Agnoli anzuwerben, die von Beruf Detektivin war. Und als ein RAF-Angehöriger um Unterstützung und ein Versteck baten, lehnten die Agnolis ab. Der sog. RAF’ler sagte später als Belastungszeuge in den RAF Prozessen aus. Er gehörte dem Verfassungsschutz an.
Auch wenn Agnoli sich gegen das Gewaltmonopol des Staates aussprach, so stritt er dennoch gegen Entführungen wie die von des Berliner CDU-Vorsitzenden Peter Lorenz oder gegen das sinnlose Blutvergießen wie im Fall des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer und seine Begleiter. Agnoli: „Wichtig ist, dass in der Gewaltanwendung die Vernunft die Oberhand behalten muss.“
Agnoli sympathisierte mit der autonomen Arbeiterbewegung in Italien, war mit Toni Negri befreundet, der später zu 30 Jahren Haft verurteilt wurde. Als Anarchist blieb Agnoli bis zuletzt bei seinen Sympathien für basisbezogene Aktionen. Der ‚schwarze Block’ und die Autonomen hätten zwar stets das richtige gewollt, sagte er, aber an ihrer Spitze stünden die falschen Leute. Resigniert zog er sich irgendwann ganz in seine Theorienwelt zurück.
Ein Anhänger des Obrigkeitssozialismus war Agnoli nie. Stets vertrat er offen seine Meinung und ließ sich weder vom DDR-Sozialismus noch von anderen poststalinistischen Spielarten einwickeln. Insofern gehörte er nicht zu den Linken, die die Bürgerrechtler skeptisch beurteilten oder ablehnten.
Ob er mit dem Buch über sich einverstanden wäre? Vermutlich ja, denn Barbara Agnoli hat es auch für die Kinder zur Erinnerung an ihren Vater geschrieben. Ob sein Einverständnis auch dem Verlag gegolten hätte, in dem das Buch erschien, darf bezweifelt werden. Immerhin stand einst in großen roten Lettern auf dem Universitätsgebäude von Arcavacata in Calabrien „Hoch lebe der Marxismus-Agnolismus, die einzige Waffe gegen den Opportunismus der roten Professoren.“ Im Mai wäre Johannes Agnoli achtzig geworden.

Barbara Görres Agnoli: „Johannes Agnoli – Eine biografische Skizze“ Konkret Literatur Verlag, Hamburg 2004; 173 S., 15,– €,

Johannes Agnoli: Die Transformation der Demokratie und verwandte Schriften Konkret Literatur Verlag, Hamburg 2004; 235 S., 16,50 €

taz Nr. 7675 vom 28.5.2005, Seite 3, 95 Zeilen (Kommentar), SIBYLLE PLOGSTEDT http://www.taz.de/pt/2005/05/28/a0269.nf/text

www.taz.de

VON SIBYLLE PLOGSTEDT
„Frauen sind wie Teebeutel. Du weißt nicht, wie stark sie sind, bis du sie ins heiße Wasser tauchst.“ Diesen Satz Hillary Clintons für Teetrinker und Frauengenießer hat Angela Merkel herausgehoben, als der US-Senatorin in diesem Jahr der Medienpreis in Baden-Baden verliehen wurde. Der Satz könnte als Motto über dem politischen Leben von Angela Merkel stehen.
Es scheint, dass der Tee weitaus stärker geworden ist, als man es Helmut Kohls „Mädchen“ zugetraut hätte. Vor allem die DDR-gestählte Eigenschaft, nach außen Positionen zu vertreten, die nicht notwendig die eigenen sind. Der letzte Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maizière, und Exbundesminister Günther Krause sagten mir, befragt zu den Webfehlern der deutschen Einheit: „Warum fragen Sie nicht Angela Merkel, die ist doch damals auch dabei gewesen. Die fragt niemand.“ Stimmt. Weil Merkel eben nur dabei war. Scheinbar.
Ja, Merkel war dabei. Zum Beispiel als Rita Süssmuth von ihrer offensiven Arbeit im Frauen- und Familienministerium an die Spitze des Bundestags hochgelobt und wegbefördert wurde. Angela Merkel profitierte davon. Gelassen und kompetent hat Merkel auch das Thema Rio plus 10 hinter sich gebracht, als sie Klaus Töpfer im Umweltministerium beerbte. Merkel trug aktiv zur Demontage von Helmut Kohl bei. Und als sein Nachfolger Wolfgang Schäuble an CDU-internen Intrigen scheitert, ist Merkel ganz zufällig wieder da, übernimmt das Amt der Vorsitzenden. Mit demselben unverbrauchten, mädchenhaften Lächeln. Jeder Aufstieg, jedes Amt ist ja das erste Mal.
Frauen setzen sich in einer konservativen Partei offenbar leichter an die Spitze als in linken. Härte und nehmerische Qualitäten werden mit der Quote weniger trainiert.
Auch Maggie Thatcher kam ohne Quote durch. Frauenpolitik hat Thatcher nie gemacht. Im Gegenteil. Auch Merkel wird das nur tun, wenn es ihr nützt. Die Landesregierungen der CDU mit ihren Gruppenbildern mit ein bis zwei Damen, die Abschaffung von Frauenministerien, Gleichstellungsstellen und die Streichung der Gelder für Frauenhäuser sprechen eine eindeutige Sprache. Die CDU hat eine überwiegend männliche Klientel. Eine Kanzlerin Merkel wird die bewusst bedienen.
Ist Merkel denn vergleichbar mit Thatcher? Die britischen Feministinnen wunderten sich, warum Thatcher unter Männern stets als besonders weiblich galt. Thatcher war damals die Super-Nanny der Briten. Englische Männer waren als Kinder einst von den Nannis mit Rohrstöcken traktiert worden. Kein Wunder, dass sie Thatcher als weiblich empfanden.
Merkel ist, anders als Thatcher, keine befehlsgewohnte Oberschichtfrau, sondern – ganz DDR-Frau – gewohnt, Nelken angesteckt zu bekommen, ohne die Arbeiterblume je für das Ganze zu nehmen. Davor schützte sie ihr kirchlicher Hintergrund. Sie hat gelernt mitzureden, ohne ihre eigenen Interesse zu früh zu zeigen. Überall dabei, ist sie fast wie die typische „Frau an seiner Seite“. Sie weiß, wann die Zeit reif ist. Sie wartet ab, ohne ihre Zeit zu verwarten. Merkel ist ein phänomenales strategisches Talent. Als Stoiber vor drei Jahren das Rennen um die Kanzlerkandidatur machte, war noch zu erkennen, wie schwer Merkel der Verzicht fiel. Sie selbst befürchtete damals, den Zeitpunkt falsch gewählt zu haben. Dabei war Stoiber damals zu früh dran. Merkel, trainiert durch die DDR, hat warten können, bis die Chance kam. Nun scheint sie da zu sein. Ob Merkels konservative Teezeremonie friedlich verläuft, hängt von ihrem Geschick ab, die einzubinden, die eigentlich keine Teebeutelfans sind. Und davon, wie lange der Teebeutel weiter im heißen Wasser zieht und ab wann er bitter wird.

Test: Der Oeckl und die Frauen

Bei Adressbüchern sollte frau zur Statistikerin werden, beim Oeckl jedenfalls lohnt es sich. Obwohl der Oeckl Deutschland 2005 mit seinen 12850 Einträgen und 21900 Personen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft seinen Akzent auf Reform des Sozialstaats, Arbeit, Wachstum, Gesundheit und Bildung gelegt hat, bleiben die Frauen wieder einmal außen vor.Es bleibt beim bekannten Schneckentempo.
In Zahlen bedeutet das: Nur 73 Eintragungen zum Thema Gleichstellung – vom DGB, über die Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten bis zu den Ressorts in den Landesministerien. Beim Thema Mädchen liefert der Oeckl fünf Einträge, davon vier kirchliche Stellen und die Internationale Aktion gegen Beschneidung von Mädchen und Frauen.
Beim Thema Lesben sind es vier Einträge, die auf Lesben und Schwulendiskriminierung verweisen, bei Diskriminierung nur einer, der sich auch nur mit dem Alter beschäftigt. Zum Stichpunkt Frauen bietet der Oeckl fünf Sachgruppen mit 137 Adressen an: davon drei aus der Bundesregierung, 105 aus dem Deutschen Frauenrat, 18 aus den Landesfrauenräten und 13 weitere Frauenverbände.
Das alles für schlanke 99 €. Soll eine CD-ROM dabei sein, werden 132 € fällig. Gegen noch einen weiteren Aufpreis wird das Zählen von Frauenadressen noch leichter. Der Online-Oeckl hat nämlich Suchmaschinen und die ergeben für Europa zum Beispiel 78 Frauenadressen – von der „Generaldirektion Beschäftigung, soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit“ bis zum Bundesministerium für „Frauen und Gedöns“. Unter Gleichstellung sind im Europa-Online-Oeckl zehn Adressen verzeichnet – die Parlamentsauschüsse des Europaparlaments, über das BMZ bis zum Komitee für UNIFEM in der Bundesrepublik und dem United Nations Development Fund für Women.
Unter Diskriminierung gibt es im Europa-Oeckl acht Adressen, die gleich alle Formen der Diskriminierung umfassen: die von Frauen, die rassische und die von alten Menschen.
Die Online-Sucharbeit ist schnell und effektiv, also von erheblichem Vorteil, aber nicht gerade billig.
Wer im Deutschland-Oeckl surfen will, zahlt 145 €; wer Europa und Deutschland online nutzen will, löhnt gleich 198 €. Nur Europa online kostet 130 €. Der Preis gilt für ein Jahr, dafür werden die Daten wöchentlich aktualisiert und zwei mal im Jahr grundlegend überarbeitet.
Die Online Version kann man zwei Tage lang kostenlos testen. Den Zugang bekommt man unter www.oeckl-online.de, die Kennworte sind per Mail innerhalb von wenigen Minuten da.
Besprochen von: Sibylle Plogstedt
www.journalistinnen.de

Test: Der Oeckl und die Frauen

Bei Adressbüchern sollte frau zur Statistikerin werden, beim Oeckl jedenfalls lohnt es sich. Obwohl der Oeckl Deutschland 2005 mit seinen 12850 Einträgen und 21900 Personen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft seinen Akzent auf Reform des Sozialstaats, Arbeit, Wachstum, Gesundheit und Bildung gelegt hat, bleiben die Frauen wieder einmal außen vor.Es bleibt beim bekannten Schneckentempo.
In Zahlen bedeutet das: Nur 73 Eintragungen zum Thema Gleichstellung – vom DGB, über die Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten bis zu den Ressorts in den Landesministerien. Beim Thema Mädchen liefert der Oeckl fünf Einträge, davon vier kirchliche Stellen und die Internationale Aktion gegen Beschneidung von Mädchen und Frauen.
Beim Thema Lesben sind es vier Einträge, die auf Lesben und Schwulendiskriminierung verweisen, bei Diskriminierung nur einer, der sich auch nur mit dem Alter beschäftigt. Zum Stichpunkt Frauen bietet der Oeckl fünf Sachgruppen mit 137 Adressen an: davon drei aus der Bundesregierung, 105 aus dem Deutschen Frauenrat, 18 aus den Landesfrauenräten und 13 weitere Frauenverbände.
Das alles für schlanke 99 €. Soll eine CD-ROM dabei sein, werden 132 € fällig. Gegen noch einen weiteren Aufpreis wird das Zählen von Frauenadressen noch leichter. Der Online-Oeckl hat nämlich Suchmaschinen und die ergeben für Europa zum Beispiel 78 Frauenadressen – von der „Generaldirektion Beschäftigung, soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit“ bis zum Bundesministerium für „Frauen und Gedöns“. Unter Gleichstellung sind im Europa-Online-Oeckl zehn Adressen verzeichnet – die Parlamentsauschüsse des Europaparlaments, über das BMZ bis zum Komitee für UNIFEM in der Bundesrepublik und dem United Nations Development Fund für Women.
Unter Diskriminierung gibt es im Europa-Oeckl acht Adressen, die gleich alle Formen der Diskriminierung umfassen: die von Frauen, die rassische und die von alten Menschen.
Die Online-Sucharbeit ist schnell und effektiv, also von erheblichem Vorteil, aber nicht gerade billig.
Wer im Deutschland-Oeckl surfen will, zahlt 145 €; wer Europa und Deutschland online nutzen will, löhnt gleich 198 €. Nur Europa online kostet 130 €. Der Preis gilt für ein Jahr, dafür werden die Daten wöchentlich aktualisiert und zwei mal im Jahr grundlegend überarbeitet.
Die Online Version kann man zwei Tage lang kostenlos testen. Den Zugang bekommt man unter www.oeckl-online.de, die Kennworte sind per Mail innerhalb von wenigen Minuten da.
Besprochen von: Sibylle Plogstedt
www.journalistinnen.de

Frauen in der Mannschaft
Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte 10/2004

Besprechung von: Sozialdemokratinnen im Parlamentarischen Rat und im Deutschen Bundestag 1948/49 – 1957“, Autorin: Gisela Notz, Dietz-Verlag, 568 S., Bonn 2003, 34 €
Mit ihrem Buch: „Frauen in der Mannschaft“, hat Gisela Notz das Wissen über die 26 sozialdemokratischen Parlamentarierinnen der ersten Stunden zusammengetragen und ist den Frauen auf ihren Lebenswegen gefolgt. Viele stammten aus Arbeiterfamilien, häufig waren die Mütter Näherinnen, die Väter Facharbeiter. Die Sozialdemokratie war für sie alle der große Bildungsverein, wie bei Frieda Nadig, die Mitglied im Parlamentarischen Rat war, dem Landtag in NRW und von 1949 – 1961 dem Deutschen Bundestag angehörte. Ein Schritt, den die heute sehr viel bekanntere Elisabeth Selbert nicht schaffte, obwohl wir ihrem Wirken im Parlamentarischen Rat den Gleichheitsparagraphen unserer Verfassung zu verdanken haben. Selbert wurde verhindert, sie war zu unbequem. Dabei hatte Lucie Beyer noch für den I. Bundestag aus Frauensolidarität ihre Kandidatur zurück gezogen, weil sie Selberts Entschiedenheit den Vorrang geben wollte. Luise Albertz war in Oberhausen die erste Oberbürgermeisterin im Westen Deutschlands und hatte als solche den Spitznamen „Mutter Courage des Ruhrgebiets“ erworben, ihr gelang der Sprung in den Bundestag. Als einzige Frau im Rundfunkrat vom NWDR (und später des WDR) sprach sie sich in der Zeitschrift „Genossin“ für den Frauenfunk des NWDR und seine erzieherische Wirkung aus. Luise Schroeder, die legendäre Oberbürgermeisterin von Berlin, später Westberlin, sei noch genannt. Sie kämpfte leidenschaftlich gegen die Verschmelzung von SPD und KPD, hatte erhebliche Auseinandersetzungen mit Ernst Reuter, der sich – obwohl sie gewählt war – als der eigentliche Regierende verstand. Schroeder hat sich frauenpolitisch engagiert und nicht so sehr aus „frauenrechtlichen Gedanken heraus, sondern um des Wohles der Allgemeinheit Willen.“
Notz hat vier Pfeiler, die ihr wichtig sind: Die Arbeiterherkunft der Abgeordneten, ihr Frauenengagement, ihr Verhalten 1933 und das Friedensthema. Heraus kommt: Keine der weiblichen Abgeordneten hat mit dem Nationalsozialismus gemeinsame Sache gemacht. Viele waren mit ihren Familien im Widerstand. Die jüdische Sozialdemokratin Jeanette Wolff wurde von SA Leuten bereits 1933 im Wahllokal festgenommen, als sie ihre Stimme gegen Hitler abgab. Eine zweijährige Haft folgte, weil sie „die nationale Bevölkerung beunruhigt“ habe. Sie kam ins KZ Sachsenhausen, die gesamte Familie fand sich im Ghetto von Riga wieder. Jeanette Wolff überlebte nach vier weiteren Konzentrationslagern und mit ihr eine der Töchter, alle übrigen Familienangehörigen wurden ermordet.
Alle Parlamentarierinnen setzten große Hoffnung in die neu entstehende Demokratie. Fast alle kämpften gegen die Wiederaufrüstung der Bundesrepublik. Das Wort „Nie wieder Krieg“ war ihnen damals ganz selbstverständlich. Alma Kettig stimmt mit 18 Abgeordneten im Bundestag dagegen, als die Wehrpflicht wieder eingeführt wurde. 1958, als es um die atomare Wiederaufrüstung ging, blieb Kettig ebenfalls standhaft. Doch als die SPD mit ihrer Kampagne „Kampf dem Atomtod“ die Wahlen verlor, veränderte sich das politische Klima in der Partei. Annemarie Renger dazu: „Wir haben die Wahlen verloren. Was sollte das noch.“ Alma Kettig jedoch – so Notz – kämpfte in der Friedensbewegung weiter.
Sibylle Plogstedt, Journalistin, Bonn
Gisela Notz ist wissenschaftliche Referentin in der Abteilung Sozial und Zeitgeschichte im Historischen Forschungszentrum der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn. Sie hat für dieses Buch eine Reihe von persönlichen Nachlässen gesichtet und was sie zu Tage gefördert hat, lohnt zu wissen.

Wie ich als Studentin das Scheitern des Prager Frühlings erlebte“in: „Nähe und Ferne. Deutsche, Tschechen und Slowaken“. Stiftung Haus der Geschichte, Zeitgeschichtliches Forum Leipzig2004 Bonn/Leipzig

Als 68erin in Prag. Sibylle Plogstedt in; Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte 12/1999

Angela Merkel:
DDR-gestählte Strategin

VON SIBYLLE PLOGSTEDT
„Frauen sind wie Teebeutel. Du weißt nicht, wie stark sie sind, bis du sie ins heiße Wasser tauchst.“ Diesen Satz Hillary Clintons für Teetrinker und Frauengenießer hat Angela Merkel herausgehoben, als der US-Senatorin in diesem Jahr der Medienpreis in Baden-Baden verliehen wurde. Der Satz könnte als Motto über dem politischen Leben von Angela Merkel stehen.
Es scheint, dass der Tee weitaus stärker geworden ist, als man es Helmut Kohls „Mädchen“ zugetraut hätte. Vor allem die DDR-gestählte Eigenschaft, nach außen Positionen zu vertreten, die nicht notwendig die eigenen sind. Der letzte Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maizière, und Exbundesminister Günther Krause sagten mir, befragt zu den Webfehlern der deutschen Einheit: „Warum fragen Sie nicht Angela Merkel, die ist doch damals auch dabei gewesen. Die fragt niemand.“ Stimmt. Weil Merkel eben nur dabei war. Scheinbar.
Ja, Merkel war dabei. Zum Beispiel als Rita Süssmuth von ihrer offensiven Arbeit im Frauen- und Familienministerium an die Spitze des Bundestags hochgelobt und wegbefördert wurde. Angela Merkel profitierte davon. Gelassen und kompetent hat Merkel auch das Thema Rio plus 10 hinter sich gebracht, als sie Klaus Töpfer im Umweltministerium beerbte. Merkel trug aktiv zur Demontage von Helmut Kohl bei. Und als sein Nachfolger Wolfgang Schäuble an CDU-internen Intrigen scheitert, ist Merkel ganz zufällig wieder da, übernimmt das Amt der Vorsitzenden. Mit demselben unverbrauchten, mädchenhaften Lächeln. Jeder Aufstieg, jedes Amt ist ja das erste Mal.
Frauen setzen sich in einer konservativen Partei offenbar leichter an die Spitze als in linken. Härte und nehmerische Qualitäten werden mit der Quote weniger trainiert.
Auch Maggie Thatcher kam ohne Quote durch. Frauenpolitik hat Thatcher nie gemacht. Im Gegenteil. Auch Merkel wird das nur tun, wenn es ihr nützt. Die Landesregierungen der CDU mit ihren Gruppenbildern mit ein bis zwei Damen, die Abschaffung von Frauenministerien, Gleichstellungsstellen und die Streichung der Gelder für Frauenhäuser sprechen eine eindeutige Sprache. Die CDU hat eine überwiegend männliche Klientel. Eine Kanzlerin Merkel wird die bewusst bedienen.
Ist Merkel denn vergleichbar mit Thatcher? Die britischen Feministinnen wunderten sich, warum Thatcher unter Männern stets als besonders weiblich galt. Thatcher war damals die Super-Nanny der Briten. Englische Männer waren als Kinder einst von den Nannis mit Rohrstöcken traktiert worden. Kein Wunder, dass sie Thatcher als weiblich empfanden.
Merkel ist, anders als Thatcher, keine befehlsgewohnte Oberschichtfrau, sondern – ganz DDR-Frau – gewohnt, Nelken angesteckt zu bekommen, ohne die Arbeiterblume je für das Ganze zu nehmen. Davor schützte sie ihr kirchlicher Hintergrund. Sie hat gelernt mitzureden, ohne ihre eigenen Interesse zu früh zu zeigen. Überall dabei, ist sie fast wie die typische „Frau an seiner Seite“. Sie weiß, wann die Zeit reif ist. Sie wartet ab, ohne ihre Zeit zu verwarten. Merkel ist ein phänomenales strategisches Talent. Als Stoiber vor drei Jahren das Rennen um die Kanzlerkandidatur machte, war noch zu erkennen, wie schwer Merkel der Verzicht fiel. Sie selbst befürchtete damals, den Zeitpunkt falsch gewählt zu haben. Dabei war Stoiber damals zu früh dran. Merkel, trainiert durch die DDR, hat warten können, bis die Chance kam. Nun scheint sie da zu sein. Ob Merkels konservative Teezeremonie friedlich verläuft, hängt von ihrem Geschick ab, die einzubinden, die eigentlich keine Teebeutelfans sind. Und davon, wie lange der Teebeutel weiter im heißen Wasser zieht und ab wann er bitter wird.
taz Nr. 7675 vom 28.5.2005, Seite 3, 95 Zeilen (Kommentar), SIBYLLE PLOGSTEDT
www.taz.de/pt/2005/05/28/a0269.nf/text

Test: Der Oeckl un die Frauen

Bei Adressbüchern sollte frau zur Statistikerin werden, beim Oeckl jedenfalls lohnt es sich. Obwohl der Oeckl Deutschland 2005 mit seinen 12850 Einträgen und 21900 Personen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft seinen Akzent auf Reform des Sozialstaats, Arbeit, Wachstum, Gesundheit und Bildung gelegt hat, bleiben die Frauen wieder einmal außen vor.Es bleibt beim bekannten Schneckentempo.
In Zahlen bedeutet das: Nur 73 Eintragungen zum Thema Gleichstellung – vom DGB, über die Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten bis zu den Ressorts in den Landesministerien. Beim Thema Mädchen liefert der Oeckl fünf Einträge, davon vier kirchliche Stellen und die Internationale Aktion gegen Beschneidung von Mädchen und Frauen.
Beim Thema Lesben sind es vier Einträge, die auf Lesben und Schwulendiskriminierung verweisen, bei Diskriminierung nur einer, der sich auch nur mit dem Alter beschäftigt. Zum Stichpunkt Frauen bietet der Oeckl fünf Sachgruppen mit 137 Adressen an: davon drei aus der Bundesregierung, 105 aus dem Deutschen Frauenrat, 18 aus den Landesfrauenräten und 13 weitere Frauenverbände.
Das alles für schlanke 99 €. Soll eine CD-ROM dabei sein, werden 132 € fällig. Gegen noch einen weiteren Aufpreis wird das Zählen von Frauenadressen noch leichter. Der Online-Oeckl hat nämlich Suchmaschinen und die ergeben für Europa zum Beispiel 78 Frauenadressen – von der „Generaldirektion Beschäftigung, soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit“ bis zum Bundesministerium für „Frauen und Gedöns“. Unter Gleichstellung sind im Europa-Online-Oeckl zehn Adressen verzeichnet – die Parlamentsauschüsse des Europaparlaments, über das BMZ bis zum Komitee für UNIFEM in der Bundesrepublik und dem United Nations Development Fund für Women.
Unter Diskriminierung gibt es im Europa-Oeckl acht Adressen, die gleich alle Formen der Diskriminierung umfassen: die von Frauen, die rassische und die von alten Menschen.
Die Online-Sucharbeit ist schnell und effektiv, also von erheblichem Vorteil, aber nicht gerade billig.
Wer im Deutschland-Oeckl surfen will, zahlt 145 €; wer Europa und Deutschland online nutzen will, löhnt gleich 198 €. Nur Europa online kostet 130 €. Der Preis gilt für ein Jahr, dafür werden die Daten wöchentlich aktualisiert und zwei mal im Jahr grundlegend überarbeitet.
Die Online Version kann man zwei Tage lang kostenlos testen. Den Zugang bekommt man unter www.oeckl-online.de, die Kennworte sind per Mail innerhalb von wenigen Minuten da.
Besprochen von: Sibylle Plogstedt
www.journalistinnen.de/aktuell/lesefutter/archiv.html

Frauen in der Mannschaft“, Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte10/2004

Besprechung von: Sozialdemokratinnen im Parlamentarischen Rat und im Deutschen Bundestag 1948/49 – 1957“, Autorin: Gisela Notz, Dietz-Verlag, 568 S., Bonn 2003, 34 €

Mit ihrem Buch: „Frauen in der Mannschaft“, hat Gisela Notz das Wissen über die 26 sozialdemokratischen Parlamentarierinnen der ersten Stunden zusammengetragen und ist den Frauen auf ihren Lebenswegen gefolgt. Viele stammten aus Arbeiterfamilien, häufig waren die Mütter Näherinnen, die Väter Facharbeiter. Die Sozialdemokratie war für sie alle der große Bildungsverein, wie bei Frieda Nadig, die Mitglied im Parlamentarischen Rat war, dem Landtag in NRW und von 1949 – 1961 dem Deutschen Bundestag angehörte. Ein Schritt, den die heute sehr viel bekanntere Elisabeth Selbert nicht schaffte, obwohl wir ihrem Wirken im Parlamentarischen Rat  den Gleichheitsparagraphen unserer Verfassung zu verdanken haben. Selbert wurde verhindert, sie war zu unbequem. Dabei hatte Lucie Beyer noch für den I. Bundestag aus Frauensolidarität ihre Kandidatur zurück gezogen, weil sie Selberts Entschiedenheit den Vorrang geben wollte. Luise Albertz war in Oberhausen die erste Oberbürgermeisterin im Westen Deutschlands und hatte als solche den Spitznamen „Mutter Courage des Ruhrgebiets“ erworben, ihr gelang der Sprung in den Bundestag. Als einzige Frau im Rundfunkrat vom NWDR (und später des WDR) sprach sie sich in der Zeitschrift „Genossin“ für den Frauenfunk des NWDR und seine erzieherische Wirkung aus. Luise Schroeder, die legendäre Oberbürgermeisterin von Berlin, später Westberlin, sei noch genannt. Sie kämpfte leidenschaftlich gegen die Verschmelzung von SPD und KPD, hatte erhebliche Auseinandersetzungen mit Ernst Reuter, der sich – obwohl sie gewählt war – als der eigentliche Regierende verstand. Schroeder hat sich frauenpolitisch engagiert und nicht so sehr aus „frauenrechtlichen Gedanken heraus, sondern um des Wohles der Allgemeinheit Willen.“

Notz hat vier Pfeiler, die ihr wichtig sind: Die Arbeiterherkunft der Abgeordneten, ihr Frauenengagement, ihr Verhalten 1933 und das Friedensthema. Heraus kommt: Keine der weiblichen Abgeordneten hat mit dem Nationalsozialismus gemeinsame Sache gemacht. Viele waren mit ihren Familien im Widerstand. Die jüdische Sozialdemokratin Jeanette Wolff wurde von SA Leuten bereits 1933 im Wahllokal festgenommen, als sie ihre Stimme gegen Hitler abgab. Eine zweijährige Haft folgte, weil sie „die nationale Bevölkerung beunruhigt“ habe. Sie kam ins KZ Sachsenhausen, die gesamte Familie fand sich im Ghetto von Riga wieder. Jeanette Wolff überlebte nach vier weiteren Konzentrationslagern und mit ihr eine der Töchter, alle übrigen Familienangehörigen wurden ermordet.

Alle Parlamentarierinnen setzten große Hoffnung in die neu entstehende Demokratie. Fast alle kämpften gegen die Wiederaufrüstung der Bundesrepublik. Das Wort „Nie wieder Krieg“ war ihnen damals ganz selbstverständlich. Alma Kettig stimmt mit 18 Abgeordneten im Bundestag dagegen, als die Wehrpflicht wieder eingeführt wurde. 1958, als es um die atomare Wiederaufrüstung ging, blieb Kettig ebenfalls standhaft. Doch als die SPD mit ihrer Kampagne „Kampf dem Atomtod“ die Wahlen verlor, veränderte sich das politische Klima in der Partei. Annemarie Renger dazu: „Wir haben die Wahlen verloren. Was sollte das noch.“ Alma Kettig jedoch – so Notz – kämpfte in der Friedensbewegung weiter.

Gisela Notz ist wissenschaftliche Referentin in der Abteilung Sozial und Zeitgeschichte im Historischen Forschungszentrum der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn. Sie hat für dieses Buch eine Reihe von persönlichen Nachlässen gesichtet und was sie zu Tage gefördert hat, lohnt zu wissen.
Sibylle Plogstedt, Journalistin, Bonn

Stiftung Haus der Geschichte, Zeitgeschichtliches Forum Leipzig 2004 Bonn/Leipzig

Wie ich als Studentin das Scheitern des Prager Frühlings erlebte“in: „Nähe und Ferne. Deutsche, Tschechen und Slowaken“.

Sibylle Plogstedt in; Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte 12/1999

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Vor zwanzig Jahren wurde die Charta 77 gegründet.

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